Lebendtiertransporte in der EU

Innerhalb der EU werden jährlich über 360 Millionen Tiere transportiert. Lebendtiertransporte erstrecken sich oft über mehrere Tage und führen quer durch Europa. So werden beispielsweise Schafe aus Großbritannien über die Niederlande, Frankreich und Italien nach Griechenland transportiert. Eine Fahrzeit von über 60 Stunden ist leider keine Seltenheit.
Immenses Tierleid auf den Transportrouten
Die industrielle Massentierhaltung ist so spezialisiert, dass viele Tiere mehrfach zwischen verschiedenen Ländern befördert werden. Junges Geflügel und Ferkel werden von den Züchtern in die Mastbetriebe, Hennen von den Aufzuchtsbetrieben in die Legebatterien und Kälber in Mastanlagen transportiert. Erst dann treten sie ihre letzte Reise zum Schlachthof an, der oft wieder viele tausend Kilometer entfernt in einem anderen Land liegt.
Aufgrund der zunehmenden Spezialisierung von landwirtschaftlichen Betrieben und dem Wegfall kleiner, regionaler Schlachthöfe werden die Transportwege immer länger. Vorgeschriebene Pausen zur Tränkung und Fütterung werden aus Profitinteresse oder wegen fehlender Versorgungsstationen nicht eingehalten. Die Transporter werden, um Kosten zu sparen, überladen.
Die Tiere stehen so dicht gedrängt, dass sie an eventuell vorhandenes Wasser oder Futter gar nicht herankämen, geschweige denn, dass alle Tiere gleichzeitig liegen können. Extremen Temperaturen sind sie schutzlos ausgesetzt. Ventilatoren zur Belüftung sind häufig defekt oder nur unzureichend vorhanden.
Die Tiere stehen unter starkem Stress, denn schon beim Verladen werden sie mit Tritten, Schlägen und auch mit elektrischen Treibhilfen, über steile und rutschige Rampen in die LKW getrieben. Viele der Tiere haben sich vorher monatelang in engen Ställen kaum bewegen können und müssen nun plötzlich schnell reagieren und laufen. Wenn Tiere während des Transports stürzen, werden sie nicht selten von verängstigten und panischen Artgenossen zu Tode getrampelt. Verletzungs- und Todesraten von mehreren Prozent werden in Kauf genommen und im Preis einkalkuliert. Abgerissene Ohren, ausgestoßene Augen und verendete Tiere werden einfach als "Transportschäden" erfasst.
Seuchenverbreitung
Experten stellten fest, dass sich Seuchen wie etwa die Maul- und Klauenseuche (MKS) vermehrt entlang von Tiertransportrouten ausbreiten.
Ein Beispiel von vielen: Ferkel werden in Belgien geboren und in Italien gemästet, österreichische Rinder kommen nach Bulgarien zur Mast, holländische Schweine werden nach Italien und holländische Rinder nach Griechenland zum Schlachten transportiert. Häufig infizieren sich die Tiere erst an den Sammelstellen - MKS, Schweinepest und andere Seuchen können mittransportiert werden.
Tiertransporte stellen daher auch ein Gesundheitsrisiko für die Tiere in der Umgebung der Transportrouten und in der Folge auch für den Menschen dar.
Die Hauptursachen für den Export lebender Tiere
- Der Export lebender Tiere wird umgerechnet höher subventioniert als der Export von Fleisch
- Lebendtransporte sind kostengünstiger als die Lieferung von Fleisch auf Kühlschiffen und Kühltransportern.
- Die bestehende Infrastruktur ist in vielen Zielländern nicht auf Kühlfleischtransporte ausgerichtet (keine durchgängigen Kühlketten).
- Im Libanon und in Ägypten, den beiden Abnehmerländern, wird aus religiösen Gründen vorrangig koscheres Fleisch verzehrt. Die Tiere werden geschächtet.
- Die Abnehmerländer möchten die Wertschöpfung, die aus der Schlachtung und Weiterverarbeitung resultiert im eigenen Land behalten, um hier Arbeitsplätze zu schaffen und Gelder zu binden.
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