Jonathan Safran Foer: „Tiere essen“
Ein neuer Weg zum fleischlosen Leben
US-Romanautor Jonathan Safran Foer ist mit seinem neuen Buch ein großer Wurf gelungen. „Tiere essen“ ist auf dem besten Wege, eine neue Generation von Vegetariern zu fördern – vor allem jene Menschen, für die fleischlose Ernährung bisher eine Gelegenheitsoption war. Safran Foer wirbt für einen bewussten Umgang mit den Mechanismen der globalen Lebensmittelindustrie, denen man sich mit einem halbherzigen Ansatz nicht entziehen kann.
Der weltweite Erfolg des Buches dürfte viele Gründe haben. Der 33-Jährige, der vor allem mit seinem Debütroman „Alles ist erleuchtet“ bekannt wurde, versucht sich weder als Aufdeckungsjournalist noch als selbsternannte moralische Instanz. Safran Foer wählt, wie schon in seinen früheren Büchern, eine Mischung verschiedener Schreibtechniken: Auf der einen Seite steht ein Faktenmarathon, der den Status Quo der gegenwärtigen industriellen Fleisch- und Fischproduktion festzurrt; auf der anderen Seite ist das Buch ein persönliches, literarisches Werk, das das lange Hin- und Hergerissensein des Autors selbst in den Mittelpunkt rückt. Dies öffnet Nichtvegetariern eine große Tür, wie sie sonst kaum ein Standardwerk zu diesem Thema zu bieten hat.
Sachbuch und Entwicklungsroman
Safran Foer nimmt den Leser mit auf eine spannende und lesenswerte Lebensreise, die gleichzeitig mit weit verbreiteten (Konsum-)Lebenslügen aufräumt. Eingestreute Essay-Elemente füllen wie im Vorbeigehen ein eklatantes Vakuum im philosophisch-ethischen Diskurs unserer Zeit, in dem Tierrechte und Tierschutz bisher keinen nennenswerten Platz einnehmen. Doch auch die weiter reichenden Folgen des stetig steigenden Fleischverbrauchs – wie massive Umweltschäden – werden in diesem flott zu lesenden Buch angesprochen. Fische werden ebenso wenig ausgeklammert: Dem folgenreichen industriellen Fischfang werden hier bemerkenswerte Einblicke in die Verhaltensbiologie von Fischen gegenübergestellt.
Eine einladende Lektüre
Safran Foer macht es sich in diesem Buch nicht einfach – sehr zum Nutzen der Leser. „Tiere essen“ ist ein äußerst empfehlenswertes, höchst lesbares Buch geworden, das mehr leistet, als nur zum Nachdenken anzuregen: Es ist imstande, die Perspektive des Lesers zu verschieben. Ein Buch, das neugierig macht.
Jonathan Safran Foer: „Tiere Essen“, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010, ISBN 978-3462040449. 19,95 Euro
03.09.2010
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